Geotechnische Baugrunderkundung für Windader West:
Bohrkerndokumentation nach See-Einsatz abgeschlossen
G.E.O.S. untersucht Bohrkerne aus dem Wattenmeer für Netzanbindungssysteme
Im Auftrag der Amprion Offshore GmbH führt G.E.O.S. gemeinsam mit dem projektleitenden Partnerunternehmen VBW Weigt GmbH die Auswertung der Felduntersuchungen und geotechnische Laboruntersuchungen zur Bewertung des Baugrundes für geplante Netzanschlusssysteme durch, welche über Gate N-III in das deutsche Küstenmeer eintreten sollen. Die Trassen sind Teil der Windader West, die Offshore-Windenergie direkt in die Verbrauchszentren von Nordrhein-Westfalen bringt.
Der Untersuchungsbereich befindet sich im Küstenmeer und großteils südlich der Nordseeinsel Langeoog, einem sensiblen Abschnitt des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer. Die Arbeiten bilden die Grundlage für die Planung und Ausführung der Kabelverlegung entlang der jeweiligen Kabeltrassen von der Landstation bis zum Offshore Windpark.
Aufschlüsse unter schwierigen Bedingungen im Wattenmeer
Eine große Herausforderung bei der Erkundung lag in der Logistik: Schiffseinsätze mussten unter schwierigen Wetterverhältnissen und bei ungünstiger Tide exakt koordiniert werden. Die Arbeiten erfolgten unter der professionellen Leitung der VBW Weigt GmbH. Trotz dieser Bedingungen konnten die geplanten Erkundungspunkte erfolgreich abgeschlossen werden.
Zur Erkundung des Meeresbodens innerhalb des Trassenkorridors kamen verschiedene Verfahren zum Einsatz:
- Geophysikalische Untersuchungen zur oberflächennahen Erkundung des Meeresbodens
- Geotechnische Untersuchungen mit Vibrationskernbohrungen (VC) und Drucksondierungen (CPTU) als Seebodensysteme, die vom Schiff aus mittels Kran präzise auf dem Meeresboden zur Durchführung der Untersuchungen positioniert wurden
Insgesamt wurden mehr als 35 Kernbohrungen und mehr als 40 Drucksondierungen mit jeweils 6 Metern Erkundungstiefe durchgeführt.
An Deck wurden aus den Bohrungen der jeweils gewonnene PVC-Liner auf 1 Meter-Stücke zugeschnitten, in Boxen gesichert und vom Hafen zum Bodenlabor G.E.O.S. in Halsbrücke transportiert.
Insgesamt ergaben sich mehr als 200 Linerstücke mit einem Gesamtgewicht von circa 3,7 Tonnen Sedimentmaterial.
Laboruntersuchungen im G.E.O.S.-Bodenlabor
Die auf See gewonnenen Bohrkerne werden im hauseigenen bodenphysikalischen Labor in Halsbrücke analysiert. Grundlage ist ein mit dem Vorhabensträger abgestimmtes Laboruntersuchungskonzept.
Untersuchungsablauf:
- Sichtung und Zustandserfassung der mehr als 200 Linerstücke
- Öffnung der Bohrkernliner und geotechnische Bohrkerndokumentation
- Schichtbezogene Probenahme für Laborversuche
- Ausführung thermische Messungen je Bohrung
- Übergabe der Proben an das hauseigene Labor zur Analyse
Analytik und Auswertung:
- Bodenphysikalische Laboruntersuchungen zur Bestimmung der geotechnischen Parameter des Meeresbodens
- Thermische Parameter zur Bewertung thermisches Verhalten Meeresboden
- Chemische Analysen zur Charakterisierung organischer Böden
- CPTU-Auswertung: Standardparameter und Berechnung von Steifemodulen sowie weitere geomechanische Versuche zur Charakterisierung des Untergrunds
Insgesamt wurden mehr als 300 Bodenproben aus den Bohrkernen entnommen und analysiert. Der gesamte Laborprozess wurde durch das Team der Geotechnik koordiniert, täglich abgestimmt und dokumentiert.
Ergebnis: Grundlage für sichere Trassierung im Küstenmeer
Die Ergebnisse der Feld- und Laboruntersuchungen liefern eine geologische Beschreibung des Baugrundes sowie eine geotechnische Charakterisierung der anstehenden Bodenschichten entlang der Trassenachsen.
Sie sind entscheidend für die Bewertung der Verlegbarkeit der Hochspannungskabel und bilden eine zentrale Planungsgrundlage für das Projekt Windader West.